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Glutenfrei leben - Nur eine Modeerscheinung?

Gestern habe ich durch Zufall im BR-Fernsehen die Sendung: "Schöne neue Essenswelt. Die Angst vor Weizen, Milch und Co" geschaut.

Als Inhaltsangabe zur Sendung stand: "Ob Laktose, Gluten oder Eiweiß, nichts scheint gefährlicher als unser Essen. Immer mehr Menschen glauben, sie sind allergisch gegen bestimmte Lebensmittel. Und für alles hat die Industrie schnell einen Ersatz. Das Geschäft damit brummt. Nur: Ernähren wir uns so wirklich besser?" Nach der Sendung empfand ich ein dringendes Bedürfnis diesen Artikel zu schreiben!

Nur fällt es mir sehr schwer, nicht zu emotional zu schreiben und sachlich zu bleiben. Daher habe ich beschlossen, tief durch zu atmen und auch nochmal im Internet zu der Sendung zu recherchieren und mir diese auch noch mal "in Ruhe" anzuschauen. Allerdings stossen mir Sätze wie "Wir zeigen, wie schnell heute jemand zum Allergiker wird." doch schon ziemlich auf. Tenor dieser Sendung ist wieder einmal die schwarz/weiss Darstellung zu diesem Thema, das es vielleicht auch eine Grauzone dazwischen gibt, wird ignoriert. Der Mensch/Verbraucher ist ja nur ein dummes, leichtgläubiges Schaf, welches von der Industrie und der dazugehörigen Werbung manipuliert wird.

ENTSCHULDIGUNG diese Aussage von mir war emotional - aber notwendig.

Sicher gibt es wirklich viele, die einem "Diätwahn" nachlaufen, aber warum? Woher kommt die Angst vor Lebensmittel, die seit Jahrtausenden auf unserem Speiseplan stehen? Diese Frage wurde nicht so ganz beantwortet. Die Antwort, nur weil wir unsere Lebensmittel nicht mehr selber produzieren, Unsichheit wo die Dinge herkommen, wie sie produziert werden und was sie mir uns machen, ist nicht die ganze Wahrheit. Ebenso entspricht die nachfolgende Aufstellung, dass "nur" 0,4 % der deutschen Bevölkerung Zöliakie haben und "nur" 1-5% eine Weizenallergie/-unverträglichkeit haben und tatsächich krank wären, daher würden ja 95% z. B.Weizen gut vertragen, nicht der ganzen Wahrheit. Hier wird nicht auf die hohe Dunkelziffer von nicht erkannten und nicht "offziell" nachgewiesenen Erkrankungen hingewiesen. Selbst in offziellen Berichten wie dem Deutschen Ärzteblatt werden Studien veröffentlicht, die daruf hinweisen, dass:

  • Die Auswertung der KiGGS-Daten zeigt, dass die Zöliakie in Deutschland wahrscheinlich stark unterdiagnostiziert ist.
  • Die Ergebnisse der Autoren legen nahe, dass in Deutschland nur die Spitze des Eisberges der Zöliakieerkrankungen erfasst wird.

Oft, ich kenne es aus eigner Erfahrung, wird keine Diagnose erstellt (weil nicht mehr möglich ohne vorher wieder Gluten zu essen) und daher tauchen solche Personen auch in keiner Statistik auf. Aber das heisst doch nicht, dass wir keine gesundheitlichen Probleme haben. Ich hatte sehr wohl welche! Nur wurde mir sogar in meiner Reha ausdrücklich gesagt, dass eine Nahrungsumstellung keinerlei Auswirkungen auf meinen Zustand hat. Es würde nicht helfen! Der Gegenbeweis ist seit 2015 erbracht!

Es wird in dem Bericht unterschieden zwischen gefühlten Beschwerden und nachweisbaren Krankheiten. Jetzt werde ich mal wieder emotional: Ich hatte seit Jahren gefühlte Beschwerden und trotz Ärztemarathon keine nachweisbaren Krankheiten. Es wurden "nur" Ausschlussdiagnosen erstellt. Rheuma ist es nicht, im MRT an der Wirbesäule - kein Befund, neurologisch auch nichts was das auslösen könnte etc. Seit 2015 habe ich auf jeden Fall gefühlte Beschwerden (Magen und Darm rebellieren gewaltig), wenn ich Gluten selbst in geringen Dosen zu mir nehme, dafür haben die anderen Beschwerden merklich nachgelassen!

Mir hat es sehr missfallen, dass Diäten (drei wurden hier vorgestellt) mit glutenfreiem Leben (nicht nur mal ab und zu oder für eine befristete Zeit) zusammen geschmissen wurden (Ausnahme ärztlich bestätigte Krankheiten!). Diese Problematik ensteht, weil glutenfrei (was aber bei den meisten auch nur bedingt gelebt wird) zu einer Modelebensart geworden ist. Sie sagen zwar "ich verzichte auf Gluten" aber nur dann, wenn es passt. Ab und zu halt, so ähnlich, wie wenn man mal für zwei Wochen auf Alkohol oder Fleisch verzichtet.

Es wurde sogar die Aussage getroffen, dass man durch rigorosen Verzicht auf bestimmte Lebensmittel erst eine Allergie entwickeln könnte!!

Was allerdings stimmt - und wo wir demnächst einen entsprechenden Beitrag veröffentlichen werden - ist, dass die glutenfreien Fertigprodukte sehr viele Zusatzstoffe enthalten und ob wir bedenkenlos solche Produkte nutzen sollten.

Ich könnte noch stundenlang so weiterschreiben, wobei ich den Koch und sein Restaurant am Anfang der Sendung hier nur bedingt kommentieren möchte. Hier sollt ihr euch eure eigene Meinung bilden - meine wäre - glaube ich - hier nicht mehr sehr sachlich. Also ohne Worte:

Screenshot Kontrovers BR 2016

Auch hier wird wieder mal kein Unterschied zwischen Allergikern bzw. Personen die Unverträglichkeiten haben und solchen - die nur mal aus einer Laune heraus Gluten vermeiden - gemacht! Das sollte doch bitte bei dem Text "Für Allergiker keinen Zutritt" beachtet werden. Ich finde es grenzt schon fast an Diskreminierung - ihr Allergiker! seid schuld, dass wir unsere Speisekarte verunstalten müssen mit den ganzen Hinweisen.

Ich weiss nicht, was ihr für Erfahrungen in Restaurants gemacht habt. Aber bei mir - und ich gehe oft auswärts essen - war es meisten so, dass man eine "normale" Speisekarte bekam, mit dem Hinweis, bei Allergien/Unverträglichkeiten bitte nach der Allergikerkarte zu fragen. Meistens läuft es aber dann darauf hinaus, dass man mit dem Servicepersonal spricht und beraten wird. Meistens noch mit Nachfrage beim Koch. Das finde ich auch vollkommen okay, denn oft gibt es eine wechselnde Wochen- oder Tageskarte. Der Aufwand wäre für die Restaurants enorm hoch. Da lobe ich mir z.B. ein Lokal in meinem letzten Urlaub, wo die Servicekraft in die Küche gegangen ist, die Köche nochmals alles überprüft haben und sogar für meine Pommes (Hinweis Kontaminierung) eine neue Friteuse genommen haben. Ich habe gerne etwas länger auf mein Essen gewartet, dafür war ich mir hier sehr sicher, dass ich auch alles vertrage. Von den Allergikerkarten halte ich in den meisten Fällen nicht viel, weil oft das gesamte Gericht z.B. Salatteller mit glutenhaltig markiert wird, selbst wenn nur die Beilage "Brot" Gluten enthält. Da muss ich dann sowieso nachhaken, ob z.B. die Salatsosse auch glutenhaltig ist.

Mein Fazit

In der Sendung wurde sehr vieles miteinander vermengt: Diäten, Zusatzstoffe, Fertiggerichte ... Den durchgehenden Faden habe ich etwas vermisst. Sich vegan, vegetarisch oder auch glutenfrei ernähren - warum nicht, das ist aber nicht gleichbedeutend damit, dass ich ausschliesslich Fertigprodukte nutze! Hier wurden Personen, die sich ernsthafte Gedanken machen, mit solchen die wirklich auf Werbung und Trends reinfallen, zusammen geschmissen.

In der Öffentlichkeit und auch in den Medien wird viel zu viel Schwarz/Weiss gesehen. Obwohl in der Sendung selber von der "Grauzone von gefühlten Beschwerden und nachweisbaren Krankheiten" gesprochen wird. Genau:

  • schwarz: gefühlte, eingebildete Beschwerden, Angst vor den Inhaltsstoffen und
  • weiss: ärztlich nachgewiesen!

Aber alle Personen, die wirklich auf ihren Körper hören und merken "HIER STIMMT WAS NICHT"! Diese Personen werden ignoriert - oder noch schlimmer - als Spinner abgetan, die auf jede Werbelüge und auf die Versprechungen der Industrie bzw. Diätberater reinfallen.

Ich bin es auf jeden Fall leid, mich immer wieder erklären zu müssen. Ich habe ja auch kein ärztliches Attest, das ich vorweisen kann und die Frage taucht immer wieder auf!

Eure


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