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Erfahrungsbericht: Ab jetzt glutenfrei?

Weg zum glutenfreien Leben

Anfangs hängt man ziemlich in der Luft und man hat Angst, macht sich Sorgen. Doch bei mir hat sich alles zum Guten gewendet und dewegen möchte ich meine Geschichte mit euch teilen …

// Ende Juni 2015:

Neben dem vielen Stress auf der Arbeit, kämpfte ich abends dauernd mit Kopfschmerzen und Müdigkeit, mir war richtig schlecht vom Schmerz. Am Wochenende war es besonders schlimm. Ich war so antriebslos und fühlte mich richtig krank vom Kopfschmerz. Ich hatte keine Ahnung wovon das kommen konnte.

Die ganze Zeit habe ich das auf den Wetterumschwung geschoben. Ich habe öfter mal Migräne, wenn sich ein schlimmes Gewitter zusammenbraut. Danach war es dann aber wieder gut. Diesmal nicht, also konnte es daran nicht liegen.

Einziger Unterschied zu sonst: Ich habe wieder deutlich mehr Kohlenhydrate gegessen. Mittags gab es Müsli mit Haferflakes und abends Toast. Zuvor habe ich vorwiegend lowcarb gegessen, aber wegen den Kopfschmerzen und der Schlappheit wurden mir Kalorien zunehmend egal (das hat die Waage dann natürlich auch gleich gemerkt) …

Sonntag Abend hatte ich dann genug. Ich habe recherchiert. Doktor Google muss es doch wissen! Ich weiß selbst, dass das Internet keinen echten Arztbesuch ersetzen kann, aber es war schließlich Sonntag – also was soll's … Schließlich wurde ich fündig:

Gluten KÖNNTE der Schuldige sein.

Sechs Zeichen für eine Glutenintoleranz (Glutenunverträglichkeit):

  • Verdauungsbeschwerden
    Blähungen, nicht abgehende Blähungen, Bauchkrämpfe ohne medizinischen Befund, Verstopfung, Durchfall oder beides abwechselnd.
  • Migräne und Depressionen
  • Kribbeln und Taubheitsgefühle in Armen und Beinen,
  • Schwindel, Gleichgewichtsstörungen
  • Autoimmunerkrankungen
    z. B. die chronische Schilddrüsenentzündung Hashimoto oder eine rheumatoide Arthritis
  • Fibromyalgie
    Muskel- und Bindegewebsschmerzen
  • Ständige Müdigkeit

Das würde einiges erklären … Mein Bauch war aufgebläht wie ein Luftballon, meine Kopfschmerzen eindeutig migräneartig, und diese Müdigkeit und Lustlosigkeit … Ich habe mich weiter informiert.

Wie kann ich herausfinden, ob ich Glutenintolerant bin?

Tests beim Arzt oder Selbsttests aus der Apotheke wurden im Internet als oft nicht eindeutig eingestuft. Es würde nur nach einem bestimmten "Gluten-Stoff" gefahndet, es gibt aber sehr viele verschiedende. Deswegen könnte man unter Glutenunvertäglichkeit leiden obwohl der Test negativ ausgefallen ist. Ok, damit sind diese Test für mich raus.

Empfohlen wird ein 60-Tage-Selbsttest.

Das bedeutet: 60 Tage lang komplett auf Gluten verzichten (kein Brot, keine Nudeln, kein Müsli, …) Man sollte sich in diesen 60 Tagen deutlich besser fühlen. Wenn man sich trotzdem nicht sicher ist, soll man am Tag 61 wieder glutenhaltige Lebensmittel essen. Am besten direkt zum Frühstück, Mittag- und Abendessen. Der Körper wird das ziemlich blöd finden und entsprechend reagieren. Dann weiß man Bescheid, dass man in Zukunft besser auf Gluten verzichten sollte. – Diesen Test werde ich jetzt mal versuchen.

>> ACHTUNG: Von einem Selbsttest ist abzuraten, denn danach ist eine Untersuchung auf Zöliakie nicht mehr möglich! – Das war mir damals nicht bewusst. Sprich das besser vorher mit deinem Arzt ab! <<

Das bedeutet für mich stikter Verzicht auf:
Weizen, Gerste, Roggen, Dinkel, Couscous, alle Teigwaren, Backwaren, Flocken, Müsli, alles Panierte, Béchamel-Soße, Schokolade (wenn nicht glutenfrei), Bier und andere haferhaltige Getränke, …

Weiterhin unbedenklich essen darf ich:
Mais, Reis, Hirse, Buchweizen, Quinoa, Amaranth, Johannisbrotkernmehl, Kartoffeln, Esskastanien, Früchte und Nüsse, Gemüse und Hülsenfrüchte, Milch, Joghurt, Sahne, Frischkäse, Mascarpone, Mozzarella, Parmesan, Pflanzenöle, Butter, Magerine, Gewürze, Honig, Zucker, Getränke wie Cola, Limo, Bohnenkaffee, Fruchtsäfte, Sekt, Wein, Schnaps, …

Weh tut es mir vor allem um sämtliches Brot, Kuchen und um den Couscous. Schokolade ist auch ganz schlimm, aber hier gibt es zum Glück Alternativen!

Ich war gespannt wie ich die 6 Wochen durchhalte, wie es mir geht.

 

// Anfang September 2015:

Ohne Gluten zu leben hat bisher eigentlich recht gut funktioniert. Ich habe schnell Alternativen gefunden, welche gut schmecken und mir keine Probleme bereiten. Unter Anderem waren Erdnüsse und Maiswaffeln dabei – lecker! Doch wie das Leben eben so spielt … Die Symptome kamen zurück. Aber warum??

Ich war viel in Foren und Facebook-Gruppen unterwegs. Ich wollte mich mit anderen Betroffenen austauschen und Tipps bekommen, wo ich gute glutenfreie Lebensmittel her bekomme oder auch Rezepte austauschen …

Leider waren hier großteils Leute unterwegs, die sich und ihre Krankheit, meiner Meinung nach, etwas zu wichtig nahmen. Bitte versteht mich nicht falsch: Natürlich ist jeder Mensch wichtig und ihm sei es absolut gegönnt gesund zu sein, logisch, dass man dafür alles tut. Doch diese Personen haben ihre Krankheit zu stark auf mich projeziert (man sollte doch jeden Fall individuell betrachten). Sie haben die ärztliche Meinung über alles gestellt und mich förmlich dazu gedrängt eine Blutuntersuchung + Darmspiegelung zu machen, es könnte ja Zöliakie sein und das würde (angeblich) alles ändern … Das war bei mir aber ja sowieso schon zu spät.

(Definition Zöliakie: Zöliakie ist eine Glutenunverträglichkeit, charakterisiert durch eine chronische Erkrankung der Dünndarmschleimhaut aufgrund einer Überempfindlichkeit gegen Bestandteile von Gluten, dem in vielen Getreidesorten vorkommenden Klebereiweiß. Die Unverträglichkeit bleibt lebenslang bestehen – Wikipedia.de)

Mal abgesehen davon, sehe ich es nicht ein wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt zu rennen – ich habe auch gar nicht die Zeit dafür, schließlich muss ich arbeiten. Wenn mir etwas nicht gut tut, lasse ich es weg – so einfach ist das! Ich hatte zudem schon von Anfang an Zöliakie ausgeschlossen (auch ohne Arzt). Als Kind hatte ich überhaupt keine Probleme mit glutenhaltigen Lebensmitteln obwohl ich sehr oft Nudeln und Brötchen gegessen habe. Ich hatte eine Glutensensitivität vermutet, die weitaus weniger „ernst“ ist und vermehrt erst im Erwachsenenalter (25-35 Jahre) auftritt. Hier sollte man natürlich auch auf glutenhaltige Lebensmittel verzichten, aber wenn man dann doch mal aus versehen etwas glutenhaltiges isst, hat das keine langfristigen Folgen. Trotzdem lebe ich streng glutenfrei! – Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

Vielleicht wisst ihr aus dem "Über uns" schon, dass ich diverse Allergien habe (diese wurden von Ärzten getestet – das hat mir damals aber trotzdem nicht geholfen). Ich bin allergisch gegen 5-Gräser-Mischung, Birkenpollen, Hausstaub, … Das bedeutet ich hatte als Kind eigentlich durchgängig Schnupfen. Und immer wieder hieß es:

„IIh, du bist echt immer krank, oder?! Steck mich ja nicht an!“ – „Nein! Das sind Allergien… Das ist keine Erkältung und auch nicht ansteckend …“ – Sehr nervige Konversationen!

Mittlerweile habe ich Mittel gefunden, die helfen und ich komme relativ schnupfenfrei durch’s Leben. Doch vielleicht ist genau das der Grund … Allergien können sich nämlich verschieben.

Wegen der vielen Diskussionen in den FB-Gruppen habe ich weiter recherchiert und bin zufällig über eine Hausarbeit einer ganzheitlichen Ernährungsberaterin gestoßen. Es ging um Allergien, Pseudoallergien, Kreuzallergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Überempfindlichkeiten…

Kreuzallergien … Hm, klingt interessant. Die Symptome können denen einer Glutensensitivität ähneln, nur dass hier nicht das Gluten (Klebereiweiß im Getreide) Auslöser ist, sondern das Getreide insgesamt (bzw. das, worauf man dann eben allergisch ist) – quasi eine „Glutenunverträglichkeit PLUS“. Solche Kreuzallergien entstehen auch oft erst im Erwachsenenalter – von jetzt auf gleich. Und so können sie auch wieder verschwinden (wenn man Glück hat).

Ich schaue also die Kreuzallergie-Tabelle an:

Gräser: Erdnüsse, Getreide, Melone, Mais, Kiwi, Kamille, Zwiebel, Soja, Tomaten, Apfel, Ananas, Pfirsich
Birkenpollen: Apfel, Birne, Curry, Karotte, Kastanie, Kiwi, Sellerie, Tomate, Anis, Banane, Fenchelsamen, Haselnuss, Kamille, Kartoffel, Kirsche, Koriander, Kümmel, Lychee, Mango, Ölbaum (Olivenbaum), Orange, Paprikagewürz, Petersilie, Pfeffer, Pfirsich, Raps, Sojabohne

Ok, das erklärt jetzt einiges … Also das mit dem Getreide war mir ja vorher schon fast klar .. Bei Mais, Erdnüssen, Melone und Kiwi habe ich später leider auch auf die harte Tour feststellen müssen, dass ich sie nicht vertrage. Besonders die Melone werde ich nicht so schnell vergessen: 3 Eckchen Melone und ich dachte ich sterbe, Schnupfen, Kopfweh, Bauchweh, völlig verquollene Augen, Müdigkeit, und Blähbauch binnen weniger Minuten. Nein Danke, nicht nochmal – das alles habe ich von meinem Ernährungsplan verbannt!

Fenchel geht in geringen Mengen beim Kochen (als Gewürz) – aber wenn ich da meine Nase reinstecke, kriege ich auch hier einen kleinen Niesanfall. Die Zwiebeln mag ich einfach nicht – mochte ich noch nie – denn ich schmecke sie (wie auch Knoblauch) noch Tage später, trotz mehrfach Zähne putzen, Milch trinken, etc – PFUI! Soja vertrage ich glücklicherweise gut und auch der Rest der Liste macht mir nichts aus.

Ich gebe zu, im Alltag schränken solche Unverträglichkeiten echt ein, erst recht, wenn man es nicht gewohnt ist auf bestimmte Lebensmittel verzichten zu müssen. Um den Überblick zu behalten, habe ich mir ein kleines Kärtchen gebastelt, das mir beim Einkaufen hilft:

Meine persönliche Blacklist:

x   Weizen…
x   Roggen…
x   Gerste…
x   Hafer…
x   Dinkel… (den muss ich irgendwann noch mal testen, viele Allergiker vertragen Dinkel)
x   Grünkern…
x   Einkorn/Zweikorn/Emmer…
x   Kamut
x   Bulgur
x   Couscous
x   Gluten
x  Triticale
x   Seitan
x   (modifizierte) Stärke – erstaunlich wo das Zeug überall drin ist!
x   Mehl (Getreide/Mais)
x   glutenfreie Weizenstärke
x   Vitalkleber
x   Erdnuss…
x   Mais… (Maisstärke geht aber)
x   Kiwi
x   Melone

Wenn etwas „Spuren von … “ enthält, kann ich es auch problemlos essen.

>> Übrigens: So ein praktisches Kärtchen haben wir hier für euch als Free-Download bereitgestellt. <<

Eine lange Liste, die mich erstmal sehr überfordert hat. Doch einmal verinnerlicht, checkt man die Lebensmittel wie im Flug. Ich finde trotz allem immer irgendetwas, das ich essen darf – auch wenn wir zum Essen ausgehen. Hier kann ich mir entweder die Allergikerkarte geben lassen oder einen Salat ohne Brot mit einfachem Dressing bestellen … ist auch eine Möglichkeit Kalorien zu sparen *lach*. Achtung bei Pommes, die werden oft mit Weizenmehl gestreckt, damit sie nicht aneinander kleben und knuspriger sind, den Fehler habe ich auch gemacht.

Ich gehe meist bei Rewe oder Edeka einkaufen, hier gibt es sogar eine kleine Glutenfrei-Abteilung in der auch ich einige Sachen finde (z. B. Brot). Lediglich bei den Discountern habe ich selten glutenfreie Produkte gefunden, kommt bestimmt noch. Mein „Geheimtipp“ ist der dm-drogeriemarkt: Auch hier gibt es eine große Auswahl an glutenfreien Produkten.

Aber auch online wird man fündig.

Besonders verbreitet ist die glutenfrei-Marke Schär. Diese bietet eine Vielzahl an Produken, leider zu relativ hohen Preisen. Geschmacklich kann man aber nicht motzen. Trotzdem ärgert es mich, dass die Brotscheiben bei gleicher Grammzahl dicker geworden sind. So verbraucht man das Brot schneller und muss dann öfter neues kaufen – das geht ganz schön ins Geld! Unter anderem deswegen vermeide ich es so gut es geht „fertige“ glutenfreie Produkte zu kaufen und mache möglichst viel selbst. Denn häufig sind diese Produkte echte Kalorienbomben, da sie viel Zucker enthalten. Und sehr natürlich sind sie auch nicht mehr mit vielen Zusatzstoffen.

 

// August 2016 – Ein Jahr später:

Mittlerweile lebe ich ein Jahr (mit kleineren Zwischenfällen) ohne Gluten und Getreide. Damit geht es mir erstaunlich gut. Ich bin aktiver und fühle mich gesünder, sogar ausgeglichener.

Der Einkauf fällt mir nicht mehr schwer, ich weiß genau wo ich zugreifen kann und wo nicht. Ab und zu entdecke ich neue Produkte und freue mich dann sehr darüber. Besonders im Alltag hat sich alles Normalisiert. Jetzt gibt es eben öfter Kartoffeln oder Linsen, statt Nudeln. Ab und zu essen wir auch glutenfreie Nudeln (selbstgemacht oder fertig gekauft), jedoch sind diese relativ teuer … Das selbe gilt für Brot: Entweder wird verzichtet oder selbstgebacken und nur selten geht der Griff zum teuren Fertigprodukt.

Die Allergie gegen Mais, Melone, Kiwi und Erdnüsse hat sich wieder normalisiert – All' das kann ich wieder essen. Vermutlich war mein Körper damals durch die Umstellung einfach ein bisschen überempfindlich.

Im Juni habe ich mich dann mal beim Arzt testen lassen – Darm- bzw. Magenspiegelung etc. war bei mir aber nicht mehr möglich. Dazu hätte ich wieder anfangen müssen Gluten etc. zu essen, davon hat mir mein Arzt abgeraten. Möglich war ein Kinesiologischer Allergietest. Das klingt im ersten Moment etwas esotherisch … Denn der Arzt misst die unterbewusste Verspannung im Körper, wenn man mit dem Allergen in Berührung kommt oder sogar nur daran denkt (sehr vereinfacht gesagt). Er hat mir erklärt, dass schon kleine Kinder wissen was sie brauchen ohne überhaupt Ahnung von Ernährung zu haben. So gab es einen Vorfall, dass einige Kinder angefangen haben Lippenstift zu essen, aber nur eine bestimmte Marke. Später kam heraus, dass in genau diesem Lippenstift ein Nährstoff enthalten war, der diesen Babys gefehlt hat. Babys, denen dieser Stoff nicht gefehlt hat, haben den Lippenstift nicht gegessen – Echt irre! … Jedenfalls, man kann daran glauben oder nicht, das Ergebnis war eindeutig: Ich vertrage kein Getreide und das habe ich ja vorher auch schon selbst bemerkt.

Generell bin ich bin der Meinung man sollte einfach auf den eigenen Körper hören und nicht irgendwelchen Ernährungstrends blindlinks hinterherlaufen. Jeder Mensch funktioniert anders und jeder Körper reagiert anders. Man selbst muss sich wohlfühlen, das ist das Wichtigste.

Mein Fazit zum Schluss:

„Wenn dir das Leben Zitronen schenkt, mach Limonade daraus.“

Egal wie viele Steine man in den Weg gelegt bekommt, man sollte es positiv sehen und das Beste daraus machen. Wenn sich Türen schließen, öffnen sich neue. Ich sehe diese Allergien als Chance neue Gerichte und außergewöhnliche Lebensmittel zu entdecken und freue mich auf neue Rezepte und die Herausforderung beim Kochen und Backen. Wenn alles so einfach wäre, wäre es ja auch langweilig.

Eure


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Döppler.Team GmbH
Am Hainszaun 18
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