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Allergikerkarte mit Risiken und Nebenwirkungen

Glutenfreimagazin.de - Allergikerkarte

In der Urlaubs- und Sommerzeit haben wir sehr viel auswärts gegessen. Vom kleinen Biergarten, Weinlokal, Besenwirtschaft und Bierzelt bis zu Gastwirtschaften mit gutbürgerlichem Ansatz aber auch welche mit gehoberen Ansprüchen an sich selbst. Ich frage, wenn ich auswärts esse, immer nach einer Allergikerkarte.

Seit Dezember 2014 müssen Gastronomen und Hoteliers aufgrund einer europäischen Verordnung ihre Gäste über Allergene in ihren Speisen und Getränken informieren. Dank einer nationalen Regelung ist es möglich, den Gästen die Informationen auf verschiedene Art und Weise schriftlich sowie unter bestimmten Voraussetzungen auch mündlich zukommen zu lassen. (Quelle: dehoga-bundesverband.de)

Auf diese Weise können Wirte ihre Gäste über die verwendeten Allergene informieren:

  1. Kennzeichnung auf der allgemeinen Speisekarte mit Angabe der allergenen Zutaten

  2. Kennzeichnung auf der allgemeinen Speisekarte mit Fuß- und Endnoten
    • Separate Allergikerkarte: In diesem Fall ist jedoch der Gast durch einen Aushang im Restaurant darauf hinzuweisen, dass eine separate Allergikerkarte vorgehalten wird. Der Aushang sollte zum Beispiel folgenden Hinweis enthalten: „Liebe Gäste, soweit Sie von Allergien betroffen sind, melden Sie sich. Gerne gibt Ihnen unsere separate Allergikerkarte Auskunft über die in den Speisen enthaltenen allergenen Zutaten.“
    • Falls Unternehmer keine ausführliche separate Allergikerkarte produzieren möchten, reicht auch das Vorhalten eines Aktenordners oder einer sogenannten „Kladde“ (zum Beispiel Tabelle mit Ankreuzmöglichkeiten).

  3. Mündliche Auskunft mit Dokumentation: Die nationale Verordnung sieht ausdrücklich die mündliche Auskunft vor. Allerdings ist diese an konkrete Voraussetzungen geknüpft:
    • Durch Gastwirt oder durch hinreichend unterrichtetes Service- und Küchenpersonal
    • Mündliche Informationen/Auskünfte müssen unverzüglich vor Kaufabschluss und vor Abgabe des Lebensmittels zur Verfügung gestellt werden.
    • Gleichzeitig muss für Gäste und Lebensmittelkontrolle eine leicht zugängliche schriftliche Dokumentation (Tabelle mit Ankreuzmöglichkeiten ausreichend) der in den Speisen vorhandenen Allergene zur Verfügung stehen.
    • Außerdem muss entweder bei den Speisen (zum Beispiel bei Catering und Buffet) oder in einem Aushang (etwa beim À-la-Carte-Essen) an einer gut sichtbaren Stelle in der Verkaufsstätte deutlich lesbar darauf hingewiesen werden, dass Informationen mündlich auf Nachfrage und zugleich auch schriftlich (Dokumentation) zur Verfügung stehen.

(Quelle: gastgewerbe-magazin.de)

In der Praxis läuft das noch nicht immer reibungslos. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass oft lange gesucht werden musste, bis die entsprechende Karte gefunden wurde. Wenn es keine Karte gab und man beim Servicepersonal nachfragte, konnte leider oft auch keine Auskunft gegeben werden und man ist nur widerwillig in die Küche gegangen, um den Koch zu fragen. Wenn es eine Karte gab, sah sie in manchen Fällen arg unappetitlich aus oder war mit Hand nach- oder ausgebessert worden, sodass ich dann oftmals das Gefühl hatte, man würde das nicht wirklich ernst nehmen und hat nur mal grob die Allergene aufgelistet, von denen man vermutet, dass sie enthalten sein könnten.

Erst auf meine eindringliche Bitte, beim Koch doch nochmal nachzufragen und auch an vielleicht benutzte Fertigprodukte zu denken, da sonst massive gesundheitliche Probleme auftreten, kam die Auskunft: Nein, dieses Gericht geht doch nicht, obwohl es als glutenfrei beschrieben war. Oder das Essen kam einfach in abgeänderter Form (es fehlte z. B. dann die Soße, obwohl auf der Allergikerkarte im Gericht mit aufgeführt). Es gab auch Fälle, wo ich auf ein Essen sicherheitshalber verzichtet habe.

Leider auch schon erlebt habe ich, dass sich Tippfehler in der Allergenliste eingeschlichen haben, so wurden Allergene „vergessen“ oder „vertauscht“. Natürlich, irren ist menschlich. Trotzdem sollte doch gerade hier sehr genau gearbeitet werden, es geht schließlich um die Gesundheit der Gäste.

Allerdings gibt es auch sehr vorbildliche Allergikerkarten,

da ist nicht nur das ganze Gericht
„Paniertes Schweineschnitzel mit Pilzsosse und Salzkartoffeln sowie gemischten Salat (1, 3, 7, 10)“

sondern jeder Teil des Gerichts einzeln deklariert.
„Paniertes Schweineschnitzel (1, 3) mit Pilzsosse (1, 7) und Salzkartoffeln sowie gemischten Salat (10)“

Der Vorteil ist, man kann sich ohne großes Diskutieren ein Gericht zusammenzustellen, was passt oder zum Beispiel einfach „unpaniert und ohne Soße“ bestellen – das hat mir sehr gut gefallen.

Ganz besonders loben muss ich einige kleine Lokale, die wir besucht haben. Hier wurde sehr genau hingehört und sich allergrößte Mühe gegeben, richtig Auskunft zu geben. Und man hat dort auch mal zuzugeben, wenn man etwas nicht weiss – darauf konnte ich dann reagieren und erklären.

In einer Brauereigaststätte wurde mein Hinweis, dass die Pommes auch nicht in einer Friteuse zusammen mit panierten Kroketten oder Schnitzeln gemacht werden dürfen sogar dahingehend beachtet, dass eine „neue“ Friteuse mit unbenutzem Fett verwendet wurde. Dies haben wir nur erfahren, weil sich die Servicekraft entschuldigte, dass es aus diesem Grund leider etwas länger dauerte. Aber da warte ich doch gerne und kann dann mein Essen mit einem sehr guten Gefühl genießen.

Bei einem von uns besuchten, etwas „gehobernen“ Hotel mit Gaststätte war leider eine gewisse „Überheblichkeit“ im Spiel. O-Ton: „Wir sind gelernt, wir wissen das, Sie müssen uns nichts erklären.“ Leider gab es genau hier einen der ganz wenigen „Ausrutscher“ (in der Mayonnaise war scheinbar doch Gluten). Zum Glück haben wir hier auch übernachtet, so konnte ich mich direkt auf mein Zimmer zurückziehen – der Abend war leider gelaufen … Daraus habe ich gelernt, ich sage immer meine ganze „Litanei“ auf, egal wie geschult sich die Fachkraft vorkommt. Schließlich bin ich die Leidtragende, wenn etwas schief läuft.

Und wenn mir dann doch etwas am Essen merkwürdig vorkommt (Soße sehr dickflüssig) oder etwas auf dem Teller ist, was vorher nicht auf der Speisekarte stand (Ketchup etc.), dann frage ich eben nochmal nach. Bis jetzt hatten fast alle dafür grosses Verständnis.

Es kam bei einer Feier (es gab ein Menü, meine Glutenunverträglichkeit war bekannt) auch mal vor, dass mir der Teller in letzter Sekunde weggezogen wurde. „Oh je, Sie haben den falschen Teller bekommen“ oder ein anderer bekam mein Ersatzdessert, weil der Kellner beim Servieren nicht richtig informiert war. – Glück gehabt!

Das Fazit aus diesen Erlebnissen ist:

  • Immer nachfragen, auch wenn man mal „nervt“! Und lieber einmal mehr fragen, als einmal zuwenig. Denn wir haben die Beschwerden oder versauen uns den Tag.
  • Die meisten Gastronomen sind sehr hilfsbereit, wenn Sie merken, dass wirklich eine Krankheit dahinter steckt (und nicht nur eine neumodische Diätidee).
  • Insgesamt ist eine positive Entwicklung merkbar. Die Gastronomie stellt sich auf Allergiker immer besser ein – darüber freuen wir uns!
  • Lasst euch nicht den Spass am Ausgehen und Essen gehen vermiesen, es funktioniert besser als erwartet!

 


Kontakt

Döppler.Team GmbH
Am Hainszaun 18
D-97828 Marktheidenfeld

fon ++49 (0) 9391 9804 40
fax ++49 (0) 9391 9804 22

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